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Kastrate

oder die Frage braucht man das bei Kleintieren?

Dazu ein paar Gedanken um die artgerechte Meerschweinchenhaltung:

Die natürlichste Meerschweinchenhaltung ist eine kleine Herde mit einem Böckchen und mindestens einem, besser 2 oder 3 Weibchen.

Wenn man als Liebhaber keinen Nachwuchs möchte, muss das Männchen natürlich kastriert sein.

Für die Gruppe ist es immer besser, wenn eines der Tiere etwas älter (erwachsen) ist, so dass sich Jungtiere daran orientieren können.

Also einfach beim Züchter sich ein erwachsenes Weibchen, ein kleines Babyweibchen und einen Kastraten holen, alle in der Wunschfarbe und Rasse und das übermorgen….

Für die Meeries und die neuen Besitzer wäre das so Geschilderte total toll, nur stellen sich im Alltag da einige Fragen und Probleme.

Problem 1 - Das Böckchen:

Das Verhältnis 2 Weibchen und ein Böckchen kommt nicht so auf die Welt.

Mit viel Glück 50:50, oftmals werden aber auch mehr Böckchen geboren.

In der Natur erklärt sich das so, dass die Böckchen die Mädels oft vor Raubgetier schützen müssen und dabei selbst gefressen werden… so passt sich das Verhältnis von selbst an.

Als Haustierzüchter ergibt sich halt dann ein Böckchenüberschuß.

Problem 2 – der Kastrat:

Kastrate werden leider nicht geboren – die macht der Tierarzt.

Hier werden die Jungs mit einem Mindestgewicht von 350gr kastriert und dürfen danach die Frist von etwa 5 – 6 Wochen idealerweise mit einem schwangeren Weibchen absitzen. Die Rocky-Ranch geht dabei oft in Vorlage für die Kastrationskosten und hofft, dass der Kastrat später jemandem gefällt. Mehr wie 2 Ställe mit Absitz-Kastraten sind aber platztechnisch nicht zu verwirklichen, daher sind nicht immer fertige Kastraten auf Abruf verfügbar.

Problem 3 - die Mädels:

Das Baby-Weibchen:

im Prinzip nur mit Kastrat, aber es gibt immer wieder Notfälle – ein älteres Tier, das verwittwet ist und nicht frißt – da muss  schnell ein Gesellschafttier dazu, um es zu retten und das sind bei älteren Weibchen oder Kastraten halt die kleinen Mädels.

Auch werden die kleinen Ladys oftmals angefragt, wenn jemand schon eine größere Gruppe mit Kastrat hat und ein weiteres Weibchen möchte, bzw eines braucht, weil bei einer altersdurchmischten Gruppe das älteste Weibchen verstorben ist.

Problem 4: Das „Erzieherschweinchen“

Idealerweise eine Zuchtrentnerin von ca. 1,5 – 2 Jahren.

Nur – wenn man jedesmal ein erwachsenes Weibchen mit verkauft, ist die Hobbyzucht inmerhalb kürzester Zeit Geschichte, weil alle Weibchen weg wären und Jungs bekommen halt keine Kinder.

Die verschiedenen Lösungen:

Gerade wenn jemand einen großen Stall hat, ist auch die Böckchen- oder Kastratengruppe eine Option. Die Jungs werden oftmals sogar zahmer als die Mädels. Die Schüsselfrage ist hier der Platz – aber eigentlich sollte jede Konstellation viel davon haben.

Auch Weibchen rennen gerne – insbesondere brauchen die viel Platz, wenn sie sich anzicken, weil kein Kastrat da ist.

Auf der Kastratenseite steht der nächste Tierarzt-Termin mit drauf und auch, ob da noch Plätze frei sind. Wenn ja, kann das Wunschböckchen bei den unkastrierten ausgesucht werden und gegen eine Anzahlung reserviert und kastriert werden.

Die Anzahlung dient nur zur Sicherheit, dass dieses Tierchen dann auch abgeholt wird, denn leider kommt es vor, dass Leute reservieren und wenn ihnen die Wartezeit zu lange wird, kaufen sie woanders.

Wenn sich keiner vorab meldet, achte ich beim Aussuchen darauf, dass es verschiedene Rassen und Farben sind, die ich zum Tierarzt bringe, um hinterher eine bessere Auswahl anbieten zu können. Auch ist meist der größte zuerst dran…

Bei der Haltung von 2 oder mehr Kastraten empfiehlt es sich, die Jungs vorab auszusuchen und dann gemeinsam kastrieren zu lassen, da ja danach keine Absitzfrist nötig ist. Gerne kann man dafür einen Zusatztermin ausmachen und die Tiere so 5 – 7 Tage nach der Kastration abholen, wenn die Wunde gut verheilt ist.

Es macht keinen Sinn einen fertigen Kastraten, der bereits bei Weibchen sitzt, in eine Kastraten- oder Böckchengruppe zu integrieren. Der weiß ja schon, wie schön es ist mit Weibchen zusammen zu sitzen…

Ich freue mich immer, wenn einer meiner „fertigen“ Kastrate ein schönes Zuhause mit Weibchen bekommt und setze alles daran, dass dies möglich ist.

Bei einer festen Vorstellung wie die zukünftige Mitbewohnergruppe aussehen soll, helfen wir gerne, aber nicht alles klappt bis "übermorgen".

Fazit:

Das Rocky-Ranch-Team wird immer versuchen die ideale Gruppe und optimale Lösung zu finden, aber ich bitte um Verständnis, dass diese Ideal-Gruppe (1 Kastrat plus 2 Mädels) nicht immer sofort verfügbar sein kann - mit ein bissel Geduld und evtl auch etwas Toleranz was Farben und Rassen angeht, ist aber vieles machbar.

 

 

Eure Angelika Glahn-Meier

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